Von der Wasserscheide zum Bahnhof Schönau / Brettelhof

Auf einen Blick

Art der Betriebsstelle: Bahnhof (Betriebs- und Verladebahnhof)

Lage:
• Im Bereich der Gemarkung Brettelhof
• Abgelegen im Wald zwischen Wasserscheide und Sauertal
• Fernab der Ortschaften Schönau und Umgebung

Funktion:
• Schwerpunkt auf Güterverkehr und Holzumschlag
• Teilweise Nutzung für militärische Transporte (vermutet)
• Bedeutung auch für den frühen Fremdenverkehr im Wasgau

Gleisanlagen:
• Zwei Nebengleise mit 140 m und 100 m Nutzlänge
• Zwei einfache Weichen
• Großzügige Betriebs- und Rangierflächen

Lade- und Verkehrsflächen:
• Zufuhr- und Verladestraße: 150 m Länge, 12 m Breite
• Verlade- und Lagerfläche: ca. 3.000 m²
• Vollständig beleuchtete Bahnanlage

Gebäude:
• Betriebsgebäude in Fachwerkbauweise (baugleich mit Rumbach und Ludwigswinkel)
• Fertigstellung: Juni 1926

Kommunikation:
• Bahneigene Streckenfernsprechleitung
• Telefonhäuschen aus Wellblech entlang der Strecke
• Nutzung für Zugmeldewesen

Besonderheiten:
• Abgeschiedene Lage mitten im Wald
• Wichtiger Standort für Holzverladung
• Anbindung von „Sommerfrischlern“ aus dem Gasthaus Mischler in Schönau
• Weitertransport der Gäste per Pferdekutsche

Erhaltung:
• Ehemaliges Betriebsgebäude erhalten
• Versetzung nach Nothweiler nach Stilllegung der Strecke
• Heute als Ferienwohnung genutzt
• Eines der wenigen erhaltenen Bauwerke der Strecke

Bahnhof Brettelhof

Nach dem Überschreiten der Wasserscheide führte die Strecke talwärts in das Sauertal zum Bahnhof Schönau-Brettelhof. Der Name „Brettelhof“ bezeichnet die örtliche Gemarkung, auf der sich die Bahnanlagen befanden.

Der Bahnhof lag fernab der umliegenden Ortschaften mitten im Wald. Weder Schönau noch andere Ortschaften befanden sich in unmittelbarer Nähe, sodass die Station vor allem als Betriebs- und Verladebahnhof konzipiert war. Gerade diese abgeschiedene Lage machte den Standort jedoch für den Holzumschlag und andere logistische Aufgaben besonders geeignet.

Die Station war für den Güterverkehr vergleichsweise großzügig ausgestattet. Zur Anlage gehörten ein Betriebsgebäude in Fachwerkbauweise – baugleich mit den Gebäuden in Rumbach und Ludwigswinkel –, das allerdings erst im Juni 1926 fertiggestellt wurde. Am 10. Juni 1926 stand das Gebäude kurz vor seiner Vollendung. Die Baukosten beliefen sich auf 1.200 Reichsmark, von denen die Gemeinde Schönau 50 Prozent übernehmen sollte. Zur Ausstattung gehörten zudem zwei Nebengleise mit Nutzlängen von 140 beziehungsweise 100 Metern sowie zwei einfache Weichen. Hinzu kamen eine 12 Meter breite und 150 Meter lange Zufuhr- und Verladestraße sowie rund 3.000 Quadratmeter Verlade- und Lagerfläche. Die gesamte Bahnanlage war beleuchtet.

Für die betriebliche Kommunikation richtete die Bahn eine eigene Streckenfernsprechleitung ein. Die Sprechstellen befanden sich in einfachen Telefonhäuschen aus Wellblech entlang der Strecke und dienten dem Zugmeldewesen.

Die Ausdehnung der Nebengleise und die Größe der Lagerflächen lassen vermuten, dass der Bahnhof nicht nur dem Holzumschlag diente, sondern zeitweise auch für militärische Transporte der französischen Besatzungsmacht genutzt wurde. Neben seiner Bedeutung für Forstwirtschaft und Militär spielte der Bahnhof Schönau-Brettelhof auch eine wichtige Rolle für den aufkommenden Fremdenverkehr im Wasgau. Im nahegelegenen Schönau beherbergte das Gasthaus Mischler zahlreiche Urlaubsgäste, die in der zeitgenössischen Werbung als „Sommerfrischler“ bezeichnet wurden. Nach ihrer Ankunft am Bahnhof wurden die Gäste mit einer betriebseigenen Pferdekutsche abgeholt und zu ihrer Unterkunft gebracht. Die abgelegene Lage der Station machte diesen Transfer erforderlich und verlieh der Anreise zugleich einen besonderen Charakter. Für viele Besucher begann die Sommerfrische bereits mit der Fahrt durch die ausgedehnten Wälder des Wasgaus

„Sommerfrischler“ am Brettelhof
(Quelle: Archiv Kindelberger, www.pfalzzauber.de)

Während die meisten baulichen Zeugnisse der Bahnstrecke im Laufe der Jahrzehnte verschwanden, blieb das ehemalige Betriebsgebäude des Bahnhofs Schönau-Brettelhof erhalten. Das Fachwerkgebäude wurde nach der Aufgabe der Strecke am ursprünglichen Standort demontiert, nach Notweiler verbracht und dort wieder aufgebaut. Heute wird es als Ferienwohnung genutzt. Als eines der wenigen erhaltenen Bauwerke der Strecke besitzt es einen besonderen dokumentarischen Wert und erinnert an die einstige Bedeutung des Bahnhofs im Sauertal.