Umladebahnhof Bundenthal – Das betriebliche Zentrum der Feldbahn

Auf einen Blick

Art der Betriebsstelle: Umladebahnhof der Feldbahn

In Betrieb seit: 1922

Hauptaufgabe: Güterumschlag zwischen Regelspur und Feldbahn

Gleisanlagen:
• Vollbahn-Anschlussgleis: 350 m Nutzlänge
• Drei Rangiergleise: zusammen 500 m Nutzlänge
• Zwei Feldbahn-Übergabegleise: je 170 m Nutzlänge
• Zwei Abfahrtgleise: je 45 m Nutzlänge
• Provisorisches Verladegleis: 150 m Nutzlänge
• Fünf Werkstättengleise: zusammen 200 m Nutzlänge

Weichen:
• 23 einfache Weichen
• 1 doppelte Kreuzungsweiche

Ladeanlagen:
• Überladerampe aus Bruchstein und Beton, ca. 150 m Länge
• Kopframpe für Fahrzeuge und sperrige Güter
• Befestigte Ladestraße, 150 m Länge, 4 m Breite
• Lager- und Verladeflächen von rund 3.000 m²

Gebäude:
• Betriebsgebäude mit zwei Diensträumen
• Warteraum
• Dienstgebäude mit zwei Familienwohnungen
• Zwei Lagerschuppen
• Lokomotivschuppen für acht Lokomotiven
• Kohlebunker
• Gleiswaage

Lokomotivversorgung:
• Wasserstation mit 5 m³ Förderleistung pro Stunde
• Antrieb durch 10-PS-Drehstrommotor
• Kohlebunker zur Brennstoffversorgung

Betriebswerkstätte:
• Schmiede
• Schlosserei
• Dreherei
• Schreinerei
• Reparaturhalle
• Lagerraum
• Wohlfahrtsraum

Maschinenausstattung:
• Drehbank (350 mm Spitzenhöhe, 1.350 mm Drehlänge)
• Fräsmaschine
• Schnellbohrmaschine
• Metallsägemaschine
• Stoßmaschine
• Schmiedeesse
• Werkbänke und Werkstattausrüstung

Antriebsleistung Werkstätte:
• Elektromotor mit 12 PS

Fernmeldeeinrichtungen:
• Bahneigene Streckenfernsprechleitung
• Sprechstationen in Wellblech-Telefonhäuschen

Besonderheiten:
• Technisches Zentrum der Feldbahn
• Größte Betriebsanlage der Strecke
• Vollständig elektrisch beleuchtete Bahnanlage

Bedeutung:
• Zentrale Umschlagstelle zwischen Reichsbahn und Feldbahn
• Organisatorischer und logistischer Mittelpunkt des gesamten Streckennetzes

Umladebahnhof Bundenthal

Der Umladebahnhof Bundenthal war das betriebliche Herzstück der Feldbahn. Hier trafen die Regelspurwagen der Reichsbahn auf die schmalspurigen Fahrzeuge der Feldbahn. Da ein direkter Übergang zwischen den unterschiedlichen Spurweiten nicht möglich war, mussten sämtliche Güter umgeladen werden. Aus diesem Grund entstand in Bundenthal die größte und umfangreichste Bahnanlage des gesamten Streckennetzes.

Während die übrigen Betriebsstellen vor allem dem Be- und Entladen einzelner Güter oder dem Personenverkehr dienten, konzentrierte sich in Bundenthal nahezu der gesamte Warenumschlag der Bahn. Von hier aus wurden Baumaterialien, Brennstoffe und Versorgungsgüter auf die angeschlossenen Betriebsstellen verteilt und weiterbefördert.

Um diese Aufgaben bewältigen zu können, verfügte der Bahnhof über eine außergewöhnlich umfangreiche Infrastruktur. Herzstück der Anlage war die rund 150 Meter lange Überladerampe aus Bruchstein und Beton, an der die Güter zwischen Regelspur- und Feldbahnwagen umgeschlagen wurden. Ergänzt wurde sie durch eine Kopframpe, eine befestigte Ladestraße sowie weitläufige Lager- und Verladeflächen.

Neben den Gleisanlagen befanden sich in Bundenthal sämtliche für den Bahnbetrieb erforderlichen Einrichtungen. Betriebs- und Verwaltungsräume, Dienstwohnungen für Bahnbedienstete, Lagerschuppen, eine Gleiswaage sowie ein Lokomotivschuppen für bis zu acht Lokomotiven verdeutlichen die zentrale Bedeutung des Bahnhofes innerhalb des gesamten Streckennetzes. Die vollständig elektrisch beleuchtete Bahnanlage galt für die damalige Zeit als modern ausgestattet.

Eine besondere Rolle spielte die Betriebswerkstätte. Hier wurden Lokomotiven, Wagen und technische Einrichtungen gewartet und instand gesetzt. Mit Schmiede, Schlosserei, Dreherei, Schreinerei und Reparaturhalle verfügte die Feldbahn über die Möglichkeit, einen Großteil der anfallenden Reparatur- und Unterhaltungsarbeiten unmittelbar vor Ort auszuführen.

Für die Versorgung der Dampflokomotiven standen eine Wasserstation und ein Kohlebunker zur Verfügung. Ergänzt wurde die technische Infrastruktur durch eine bahneigene Streckenfernsprechleitung mit Sprechstellen entlang der Strecke. Sie diente dem Zugmeldewesen und der Koordination der Betriebsabläufe zwischen den einzelnen Betriebsstellen.

Die Bedeutung Bundenthals beschränkte sich jedoch nicht allein auf den Bahnbetrieb. Nach dem Ersten Weltkrieg unterlag die Region den Vorgaben der französischen Militärregierung, die den Bau von Versorgungsanlagen anordnete. Per Leistungsbefehl wurde verfügt, dass zur Verpflegung der Truppen eine sogenannte „Magazinbaracke“ als Vorratslager sowie ein Schuppen zur Lagerung von etwa 250 Kubikmetern Heu und Stroh errichtet werden mussten. Darüber hinaus war ein mit Stacheldraht gesichertes Brennstofflager für zwei Waggons Kohle und einen Waggon Holz einzurichten. Sämtliche Maßnahmen hatten bis zum 15. Juni 1922 abgeschlossen zu sein.

Diese Anordnungen verdeutlichen die enge Verbindung zwischen der Feldbahn und den militärischen Anforderungen der damaligen Zeit. Der Umladebahnhof Bundenthal diente somit nicht nur als zentrale Verkehrsdrehscheibe, sondern zugleich als wichtiger Versorgungsstandort innerhalb der militärischen Infrastruktur des Wasgenwaldes.

Der Umladebahnhof Bundenthal war damit weit mehr als ein gewöhnlicher Bahnhof. Als zentrale Umschlagstelle, Betriebswerkstätte und Versorgungszentrum bildete er den organisatorischen Mittelpunkt der Feldbahn. Der gesamte Güterverkehr lief über diese Anlage, die eine Schlüsselrolle für den Betrieb der Bahn und die Versorgung der angeschlossenen Einrichtungen einnahm.