Haltestelle „Wappenschmiede“

Auf einen Blick

Art der Betriebsstelle: Haltestelle mit Ladeeinrichtung
In Betrieb seit: 1922
Bahnsteig: 25 m Länge, befestigt
Ladegleis: 30 m Nutzlänge
Ladefläche: ca. 150 m²
Beleuchtung: gesamte Bahnanlage beleuchtet
Fernmeldeeinrichtung: bahneigene Streckenfernsprechleitung mit Sprechstation
Besonderheit: unmittelbare Nähe zu einem Sandsteinbruch
Vermutete Hauptaufgabe: Verladung von Sandstein für den Bau des Truppenlagers Ludwigswinkel

Haltestelle Wappenschmiede

Die Haltestelle Wappenschmiede befand sich im Bereich des heutigen Biosphärenhauses bei Fischbach. Als die Wasgenwaldbahn im Jahr 1922 entstand, präsentierte sich die Landschaft hier noch völlig anders: Das Gelände war weitgehend unbebaut, und die Ortsgrenze von Fischbach lag deutlich weiter entfernt als heute.

Trotz der abgelegenen Lage entstand an dieser Stelle eine bemerkenswert umfangreiche Bahnanlage. Sie verfügte über einen befestigten, 25 Meter langen Bahnsteig, ein 30 Meter langes Ladegleis, eine rund 150 Quadratmeter große Ladefläche sowie eine vollständige Beleuchtung der Anlage. Für das Zugmeldewesen richtete die Bahn zudem eine eigene Streckenfernsprechleitung mit Sprechstationen in Wellblech-Telefonhäuschen ein.

Die Gründe für diese auf den ersten Blick ungewöhnliche Standortwahl liegen in der ursprünglichen Aufgabe der Wasgenwaldbahn. Wie bereits an anderer Stelle dargestellt, wurde die Strecke nicht für den öffentlichen Personenverkehr errichtet, sondern diente in erster Linie militärischen Zwecken. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Versorgung des Truppenlagers bei Ludwigswinkel.

Unmittelbar neben der Haltestelle befand sich ein Sandsteinbruch. Während der Bauphase des Truppenlagers wurden große Mengen Sandstein für die Fundamente und Grundmauern der Unterkunftsbaracken benötigt. Da das benötigte Gestein in diesem Bereich in ausreichender Menge vorhanden war, lag eine Nutzung des Steinbruchs nahe. Das vorhandene Ladegleis sowie die großzügig bemessene Ladefläche sprechen dafür, dass hier ein Teil des Baumaterials gewonnen und direkt auf die Bahn verladen wurde.

Die Haltestelle Wappenschmiede war damit weit mehr als ein einfacher Haltepunkt. Sie stellte einen wichtigen Umschlagplatz für Baustoffe dar und verdeutlicht bis heute den engen Zusammenhang zwischen der Wasgenwaldbahn und dem Aufbau der militärischen Infrastruktur im Wasgenwald.