Umfahrung Brauntal bei Rumbach

Auf einen Blick

Streckenabschnitt: Haltepunkt Nothweiler – Wasserscheide

Streckencharakter:
• Anspruchsvollster Steigungsabschnitt der Wasgenwaldbahn
• Trassenführung in Hanglage
• Mehrere Kehren zur Überwindung des Höhenunterschiedes

Höhenentwicklung:
• Ausgangspunkt: Haltepunkt Nothweiler
• Zielpunkt: Wasserscheide
• Zu überwindender Höhenunterschied: 74 Meter
• Maximale Steigung: 3 %

Ingenieurbauwerke:
• 180-Grad-Kehrschleife im Brauntal
• Josefsbrücke aus Holz
• Brückenlänge: ca. 8 Meter
• Überspannung von Braunbach und Talgrund

Besonderheiten:
• Wechsel auf die gegenüberliegende Talseite zur Verringerung der Steigung
• Markante Gebirgsstrecke im Wasgau
• Bekannt für die langsame Bergfahrt der Züge

Überlieferte Anekdote:
• Schaffnerruf: „Unterwegs Blümchen pflücken ist verboten!“

Wasserscheide:
• Natürliche Grenze zwischen den Einzugsgebieten von Wieslauter und Sauer
• Höchster Streckenabschnitt der Bahn

Betriebliche Bedeutung:
• Annäherung an den Ausweichbahnhof Wasserscheide
• Wichtiger Kreuzungspunkt auf der eingleisigen Strecke
• Höchstgelegener Betriebsbahnhof der Wasgenwaldbahn

Vom Haltepunkt Nothweiler zur Wasserscheide


Bereits vor Erreichen des Haltepunkts Nothweiler begann die Trasse in Hanglage an Höhe zu gewinnen. Um den steilen Anstieg des Geländes zu bewältigen, wurde die Strecke in einer großzügig angelegten 180-Grad-Kehrschleife auf die gegenüberliegende Talseite geführt. Erst dadurch konnte die Bahn ihren Weg weiter bergauf in Richtung der Rumbacher Höhe fortsetzen.
Teil dieser ingenieurtechnisch bemerkenswerten Streckenführung war die sogenannte Josefsbrücke, eine etwa acht Meter lange Holzbrücke. Sie überspannte den Braunbach sowie den Talgrund des Brauntals und bildete einen markanten Bestandteil der Kehrschleife.
Mit einer durchgehenden Steigung von bis zu drei Prozent arbeitete sich die Schmalspurbahn anschließend Meter um Meter den Hang hinauf. Auf diesem Streckenabschnitt waren insgesamt 74 Höhenmeter zu überwinden, ehe die Wasserscheide erreicht wurde. Die Steigung war so markant, dass die Schaffner den Fahrgästen augenzwinkernd zuriefen:
Unterwegs Blümchen pflücken ist verboten!
Mit dieser scherzhaften Bemerkung spielten sie auf die langsame Bergfahrt der Züge an, die den Reisenden ausreichend Zeit ließ, die vorbeiziehende Landschaft des Wasgaus zu betrachten.
Die Wasserscheide bildet die natürliche Grenze zwischen den Einzugsgebieten von Wieslauter und Sauer. Nach einer weiteren Kehrschleife näherte sich die Bahn dem Niveau der Landstraße an. Wenig später erreichte sie den Ausweichbahnhof Wasserscheide, den höchstgelegenen Betriebsbahnhof der Strecke und einen wichtigen Punkt für die Zugkreuzungen auf der eingleisigen Bahnlinie.

Erinnerungen an die Steige zur Wasserscheide

Wie beschwerlich die Bergfahrt zwischen Rumbach und der Wasserscheide mitunter sein konnte, schildert Ruth Andrae-Frick in ihrem Buch Kindheit im Wasgau:

„Hinter dem Dorf Rumbach keuchte die kleine Lokomotive die hohe Steige hinauf. Ganz langsam schleppte sie sich Stück um Stück bergan. In halber Höhe blieb das Bähnchen plötzlich stehen wie ein störrischer Esel. Der Lokführer rief nach einer kleinen Weile etwas nach hinten, einige Schüler stiegen aus, liefen nach vorne und verhandelten mit dem Mann. Dann hieß es: ‚Alles aussteigen!‘ und ‚Alles Gepäck im Wagen lassen!‘

Als ich Miene machte, über das Trittbrett zu steigen, protestierten die Männer: ‚Die Mädchen dürfen sitzen bleiben.‘ Und dann ging es los. Als der Lokführer die Bremsen gelöst hatte, packten die Schüler zu beiden Seiten der Wagen an und schoben aus Leibeskräften. Und siehe da! Das Bähnchen ruckte, spie schwarze Wolken aus, fing zu tuckern an und bewegte sich vorwärts, immer höher hinauf, so, als wollte es sagen: ‚Ich habe mich halt erstmal ausruhen wollen.‘ Als der Gipfel erreicht war, hielt die Bahn zum Einsteigen.“

Ob sich diese Begebenheit genau so zugetragen hat oder ob sie im Laufe der Jahre durch die Erinnerung ausgeschmückt wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die Erzählung vermittelt jedoch eindrucksvoll, welchen Ruf die lange Steigung zur Wasserscheide unter den Fahrgästen besaß und wie eng der Bahnbetrieb mit dem Alltag der Menschen im Wasgau verbunden war.