Die Trassenplanung

Konkrete Planung der Schmalspurbahn

Unmittelbar nach Erhalt des Leistungsbefehls 1 vom 16. Juli 1921 begannen die detaillierten Planungen für den Bau der Schmalspurbahn zwischen Bundenthal und dem Truppenlager Ludwigswinkel.

Nach eingehender Erkundung des Geländes konnte ein erster Trassenentwurf ausgearbeitet werden. Die Strecke sollte vom Verladebahnhof Bundenthal aus dem Rumbachtal folgen, die Ortsmitte von Rumbach durchqueren und anschließend entlang des Rumbaches in das Brauntal führen. Dort stellte der erhebliche Höhenunterschied die Planer vor eine besondere Herausforderung. Um den Anstieg zur Wasserscheide bewältigen zu können, wurde eine großräumige Kehre mit einem Richtungswechsel von nahezu 180 Grad vorgesehen. Von der Anhöhe aus sollte die Trasse wieder talwärts in das Saarbachtal geführt werden.

Zwischen dem Rumbergskopf und dem Kleinen Roßberg sah die Planung zur Verkürzung des Streckenverlaufs einen Bahndamm durch die Talsohle vor. Anschließend führte die Strecke durch Fischbach, querte im Bereich der Fauner Hard das Saarbachtal und folgte diesem schließlich bis zum Truppenlager Ludwigswinkel.

Für den Betrieb waren folgende Bahnhöfe vorgesehen:

• Verladebahnhof Bundenthal
• Bahnhof Rumbach
• Bahnhof Brauntal
• Bahnhof Schönau
• Bahnhof Fischbach
• Bahnhof Forsthaus
• Endbahnhof Lager

Die Bezeichnung „Bahnhof“ entspricht dabei der Terminologie des militärischen Feld- und Schmalspurbahnwesens. Anders als im allgemeinen Eisenbahnbetrieb wurden hier nicht nur größere Betriebsstellen, sondern auch Ausweichstellen, Verladepunkte und Haltestellen als Bahnhöfe bezeichnet.

Nach dem ersten Entwurf betrug die geplante Streckenlänge 15,8 Kilometer.

Bereits während der Planungsphase zeigte sich jedoch, dass sich der Streckenverlauf im Bereich des Brauntals wirtschaftlicher gestalten ließ. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen weiträumigen Umfahrung wurde zwischen den Streckenkilometern 4,3 und 5,0 ein direkterer Trassenverlauf vorgesehen. Dadurch konnten rund 700 Meter Gleis eingespart und die Baukosten entsprechend reduziert werden.

Komplette Umfahrung des Brauntales mit Haltepunkt Brauntal
Komplette Umfahrung des Brauntales mit Haltepunkt Brauntal
Quelle: Landersarchiv Speyer, bearbeitet von Jo 2026

Die Änderung hatte jedoch Auswirkungen auf die Lage des vorgesehenen Bahnhofs Brauntal. Dieser wurde näher an den Streckenkilometer 4,0 verlegt. Aus dem ursprünglich geplanten Bahnhof Brauntal entstand somit der Bahnhof Nothweiler.

Bereits während der Planung wurde die Möglichkeit eines späteren Ausbaus auf Meterspur berücksichtigt. Obwohl die Strecke zunächst als 600-mm-Schmalspurbahn ausgeführt werden sollte, wurde der Unterbau der Trasse weitgehend für eine spätere Umspurung dimensioniert. Dämme, Einschnitte und weitere Erdbauwerke wurden entsprechend angelegt, um einen Ausbau mit möglichst geringem baulichem Aufwand zu ermöglichen.

Lediglich ein rund 900 Meter langer Abschnitt im Bereich der ursprünglichen Umfahrung des Brauntals entsprach aufgrund der örtlichen Geländeverhältnisse nicht den Anforderungen einer meterspurigen Bahn. Mit Ausnahme dieses Teilstücks war die gesamte Trasse für eine spätere Erweiterung auf Meterspur vorgesehen.

Die Entscheidung, den Unterbau der Strecke weitgehend für eine spätere Umspurung auf Meterspur auszulegen, ist vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Jahres 1921 zu betrachten. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Deutschen Reich waren von großer Unsicherheit geprägt. Die Pfalz befand sich unter französischer Besatzung, die Folgen des verlorenen Krieges waren allgegenwärtig, und die weitere Entwicklung der Region ließ sich kaum abschätzen.

Weder die deutschen Behörden noch die französische Militärverwaltung konnten zu diesem Zeitpunkt verlässlich beurteilen, wie lange die Besatzung andauern oder welche Anforderungen künftig an die Verkehrsverbindungen im südlichen Pfälzerwald gestellt werden würden. Infrastrukturmaßnahmen mussten daher so angelegt werden, dass sie auch unter veränderten politischen und militärischen Rahmenbedingungen nutzbar blieben. Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar, dass die Trasse nicht ausschließlich für den unmittelbaren Bedarf dimensioniert wurde. Vielmehr hielt man sich die Möglichkeit offen, die Bahn zu einem späteren Zeitpunkt zu einer leistungsfähigeren meterspurigen Strecke auszubauen.

Weitere wesentliche Änderungen am Trassenentwurf waren nicht erforderlich. Nach Abschluss der Planungsarbeiten konnten die Bauarbeiten an der Schmalspurbahn aufgenommen werden.

  1. ↩︎